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Event12. Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ist Sales eigentlich Arbeit oder betreutes Aperoltrinken mit Visitenkarte?

Sales funktioniert nicht nur am Schreibtisch. Gute Vertriebsarbeit braucht passendes Marketing, echte Begegnungen, gepflegte Kontakte und Menschen, die draußen sichtbar sind.

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Ist Sales eigentlich Arbeit oder betreutes Aperoltrinken mit Visitenkarte?

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Ist Sales eigentlich Arbeit oder betreutes Aperoltrinken mit Visitenkarte?

Vorgelesen von KI-Jessy

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Auf einem Netzwerktreffen hatte ich mal wieder diese Diskussion. Wie wichtig ist Sales eigentlich? Und wie wichtig ist Sales in Verbindung mit passendem, gut gemachtem Marketing?

Die kurze Antwort: sehr wichtig.

Die etwas längere Antwort: sehr, sehr wichtig. Auch dann, wenn es im Kalender manchmal aussieht wie "schon wieder unterwegs", "schon wieder Veranstaltung", "schon wieder Kaffee", "schon wieder Netzwerktermin".

Ja. Genau. Und nochmal ja.

Sales-Mitarbeitende gehören raus auf die Straße. Nicht im romantischen Sinne von Klinkenputzen mit Ledermappe und zu viel Optimismus. Sondern im sehr praktischen Sinne: Menschen treffen, Gespräche führen, Kontakte pflegen, Märkte spüren, Zwischentöne hören, Vertrauen aufbauen und zur richtigen Zeit wieder auftauchen.

Das ist kein nettes Beiwerk. Das ist Arbeit.

Warum Sales im Unternehmen oft missverstanden wird

In vielen Firmen gibt es dieses stille Unverständnis. Der Vertrieb ist schon wieder unterwegs. Schon wieder auf einem Empfang. Schon wieder bei einem Lunch. Schon wieder auf einem Netzwerktreffen. Während andere im Büro sitzen, Mails beantworten, Projekte abarbeiten und sich fragen, ob das da draußen eigentlich noch Arbeit ist oder schon betreutes Aperoltrinken mit Visitenkarte.

Die Frage ist nachvollziehbar. Aber sie greift zu kurz.

Natürlich gibt es schlechte Vertriebsarbeit. Es gibt Termine ohne Ziel, Gespräche ohne Substanz und Netzwerken als Beschäftigungstherapie. Aber daraus zu schließen, dass Sales draußen nicht wichtig ist, wäre ungefähr so sinnvoll wie zu behaupten, Marketing sei überflüssig, weil jemand mal einen hässlichen Flyer gesehen hat.

Guter Sales ist nicht dauernd unterwegs, weil er dem Büro entkommen will. Guter Sales ist unterwegs, weil dort draußen der Markt ist.

Der Markt sitzt selten in der internen Projektablage

Viele wichtige Informationen entstehen nicht in CRM-Feldern. Sie entstehen im Gespräch.

Wer gerade wirklich Budget hat. Wer intern blockiert wird. Wer mit einem Anbieter unzufrieden ist. Wer in sechs Monaten ein Projekt plant. Wer jemanden kennt, der jemanden sucht. Wer eigentlich noch gar nicht kaufen will, aber ein Problem hat, das bald dringend wird.

Solche Dinge erfährt man selten, wenn man nur wartet, bis ein sauber ausgefülltes Kontaktformular im Postfach landet. Schön wäre es natürlich. Dann könnten wir alle unsere Vertriebspipelines nebenbei mit einem Kaffee in der Hand bewundern und die Welt wäre ordentlich sortiert.

Ist sie aber nicht.

Menschen kaufen nicht nur, weil eine Website informiert. Sie kaufen, weil Vertrauen entsteht. Weil ein Bedarf klarer wird. Weil jemand zur richtigen Zeit präsent ist. Weil ein Gespräch hängen bleibt. Weil man sich erinnert: Da war doch jemand, der das Thema verstanden hat.

Marketing öffnet Türen. Sales geht hindurch.

Gutes Marketing ist enorm wichtig. Es schafft Sichtbarkeit, Orientierung, Wiedererkennung und Vertrauen, bevor ein persönliches Gespräch überhaupt beginnt. Eine klare Website, gute Inhalte, ein sauberer Auftritt, sinnvolle Use Cases, Referenzen, Social Media, Newsletter, Events: all das hilft.

Aber Marketing ersetzt Sales nicht. Es bereitet Sales vor.

Marketing kann Interesse erzeugen. Sales muss daraus Beziehung machen. Marketing kann erklären, wofür ein Unternehmen steht. Sales muss herausfinden, ob das zum konkreten Problem des Gegenübers passt. Marketing kann eine Marke sichtbar machen. Sales muss beweisen, dass hinter der Marke Menschen stehen, mit denen man arbeiten möchte.

Wenn beides zusammenkommt, wird es stark.

Wenn Marketing ohne Sales läuft, bleibt oft Aufmerksamkeit ohne Abschluss. Wenn Sales ohne Marketing läuft, wird es schnell mühsam, weil jede Begegnung bei null beginnt. Zusammen sorgen sie dafür, dass ein Unternehmen nicht nur bekannt ist, sondern relevant wird.

Netzwerken ist keine Pause von der Arbeit

Ein gutes Netzwerk entsteht nicht, wenn man nur dann auftaucht, wenn man gerade etwas verkaufen möchte. Das ist keine Beziehungspflege. Das ist ein Überfall mit höflicher Betreffzeile.

Netzwerken bedeutet, langfristig sichtbar zu bleiben. Gespräche zu führen, ohne sofort eine Bestellung zu erwarten. Menschen miteinander zu verbinden. Themen aufzunehmen. Auch mal zuzuhören, wenn gerade nichts zu holen ist. Vielleicht sogar besonders dann.

Das ist anstrengender, als es von außen aussieht.

Denn wer gut netzwerkt, muss präsent sein. Nicht nur körperlich, sondern wirklich. Man muss sich erinnern, wer welches Thema hatte. Man muss nachfassen. Man muss einschätzen, wann ein Kontakt reif ist und wann man einfach nur nervt. Man muss zwischen echtem Interesse und höflichem Smalltalk unterscheiden können. Und man muss aushalten, dass der Nutzen nicht immer sofort messbar ist.

Das ist für Controlling-Logiken manchmal schwer. Beziehungspflege passt nicht immer sauber in eine Monatsauswertung. Trotzdem entscheidet sie oft darüber, wer angerufen wird, wenn es ernst wird.

Der Satz "Immer ist der unterwegs" ist manchmal ein Qualitätsmerkmal

Natürlich muss Vertrieb strukturiert arbeiten. Natürlich braucht es CRM-Pflege, Angebote, Nachbereitung, klare Ziele und saubere Abstimmung mit Marketing und Operations. Niemand braucht Sales, der nur Veranstaltungen sammelt wie andere Menschen Hotelpunkte.

Aber wenn Sales gut geführt ist, dann ist unterwegs sein kein Problem. Es ist ein Teil des Jobs.

Wer nie draußen ist, bekommt wenig mit. Wer nie Kundengespräche führt, versteht Einwände nur theoretisch. Wer nie auf Veranstaltungen ist, sieht nicht, welche Themen gerade wirklich diskutiert werden. Wer keine Kontakte pflegt, wundert sich irgendwann, warum Wettbewerber früher im Gespräch sind.

Der Vertrieb muss raus, weil Beziehungen nicht im Vakuum entstehen.

Und ja, das kann von außen manchmal so aussehen, als würde jemand dauernd Kaffee trinken, Hände schütteln und auf Events herumstehen. Der Unterschied liegt darin, ob danach etwas passiert: bessere Informationen, wärmere Kontakte, konkrete nächste Schritte, neue Chancen, stärkere Kundenbindung.

Dann war es Arbeit. Auch wenn das Getränk kalt serviert wurde.

Sales braucht Rückendeckung statt Augenrollen

In vielen Unternehmen wäre schon viel gewonnen, wenn Sales nicht als wandernde Sonderabteilung betrachtet würde, sondern als Teil eines gemeinsamen Marktzugangs.

Marketing liefert Sichtbarkeit und Inhalte. Sales bringt Marktwissen zurück. Operations liefert Qualität. Geschäftsführung gibt Richtung. Alles hängt zusammen.

Wenn Vertrieb draußen hört, dass Kunden ein Thema nicht verstehen, ist das ein Signal fürs Marketing. Wenn Marketing merkt, dass ein Inhalt besonders gut funktioniert, ist das ein Signal für Sales. Wenn Kunden in Gesprächen immer wieder dieselben Bedenken äußern, ist das ein Signal für Produkt, Angebot oder Kommunikation.

Sales ist nicht nur Abschlussmaschine. Sales ist Sensor.

Und ein Sensor bringt wenig, wenn man ihn intern belächelt, weil er nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt.

Was Unternehmen konkret besser machen können

Unternehmen sollten Vertriebsarbeit draußen nicht nur erlauben, sondern bewusst strukturieren.

  • Welche Veranstaltungen sind wirklich relevant?
  • Welche Zielgruppen sollen dort getroffen werden?
  • Welche Botschaften aus dem Marketing helfen im Gespräch?
  • Wie werden Kontakte nachgefasst?
  • Welche Erkenntnisse fließen zurück ins Team?
  • Woran erkennt man, ob ein Netzwerktermin wertvoll war?

Das Ziel ist nicht, jeden Kaffee in eine Excel-Zelle zu pressen. Das Ziel ist, aus Begegnungen ein System zu machen.

Gute Sales-Arbeit bleibt menschlich, aber sie ist nicht beliebig.

Fazit

Sales ist wichtig. Nicht als laute Disziplin, die am Ende mit breitem Grinsen den Auftrag hereinträgt und vorher niemandem erklärt, was eigentlich passiert ist. Sondern als kontinuierliche Arbeit an Sichtbarkeit, Vertrauen, Beziehung und Timing.

Gutes Marketing sorgt dafür, dass ein Unternehmen verstanden wird. Guter Sales sorgt dafür, dass daraus echte Gespräche und echte Chancen entstehen.

Deshalb gehören Sales-Mitarbeitende raus. Auf Veranstaltungen, in Gespräche, in Netzwerke, zu Kunden, zu Partnern, in den Markt.

Nicht jeden Tag planlos. Nicht ohne Nachbereitung. Nicht als Ausrede für fehlende Struktur.

Aber regelmäßig, bewusst und mit Rückendeckung.

Denn am Ende kaufen Menschen selten nur ein Angebot. Sie kaufen Vertrauen, Timing, Relevanz und das Gefühl, dass jemand ihr Thema verstanden hat.

Und das entsteht erstaunlich selten in einem internen Meetingraum mit dem Tagesordnungspunkt "Pipeline bitte realistischer bewerten".

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